Artemis Athenais: Forensic Skulls, Zeichnung auf Backpapier, 2012

Nein, das Duschgel, auf dem steht, es bringt uns Lebensfreude, Vitalität und Balance, bringt uns das nicht.

Gesundheit1„Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“ (WHO Definition zu Gesundheit von 1946) ist eine Folge von positiven Einstellungen (Optimisten leben nachweislich länger), positiven Gedanken und letztlich die sich daraus ergebenden positiven sozialen Kontakte. Ja, ich bin fest davon überzeugt, dass es letztlich so einfach ist.

Alfred Adler sagt alles Leben ist Beziehung, Erich Fromm schreibt, die Zufriedenheit (und somit Gesundheit) liegt im Übergang vom „Haben“ zum „Sein“. Das Konzept der Salutogenese besagt, dass unser jeweilig aktueller Gesundheits- oder auch Krankheitszustand ein situationsbezogener Zustand ist, der sich auf einem Spektrum zwischen vollkommener Gesundheit (Glückseligkeit) und absoluter Krankheit (Tod) befindet, zwischen Salutogenes und Pathogenese. Es besagt somit auch, dass Gesundheit jedenfalls ein Weg ist, genau wie nach Mahatma Gandhi Friede der Weg ist, denn Krieg und Anarchie sind die Grundkonstanten.

Gesundheit ist somit etwas, das nur aktiv oder (besser) vital erreicht werden kann, nichts, was ohne einer Aktivität oder ohne Vitalität einfach da wäre. Eher im Gegenteil. So wir nichts tun, so wir nicht auf Körper, Geist und Seele, so wir nicht auf unsere sozialen Kontakte achten, geduldig und diszipliniert2nach Erich Fromm sind die drei wesentlichen Tugenden in der Kunst des Liebens „Geduld“, „Disziplin“ und „Konzentration (Aufmerksamkeit)“, so wird die Krankheit die Folge sein. Wir haben nur einen Körper, hat eine sehr kluge Krankenpflegerin einmal zu mir gesagt. Deshalb ist es ratsam, sich um diesen einen Körper auch entsprechend zu kümmer. Ich würde hinzufügen, wir haben auch nur einen Geist und nur eine Seele. Christian Schubert beschreibt eindrucksvoll auf Basis der Psychoneuroimmunologie3ein Teilbereich der Psychosomatik, wie Körper, Geist und Seele zusammenspielen. „Mens sana in corpore sano“ (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) verstand auch schon der römische Dichter Juvenal.

Meine Mutter ist zu der Überzeugung gekommen: „Es gibt viele Krankheiten, jedoch nur eine Gesundheit“. Deshalb ist es (dialektisch) jedenfalls so, dass Liebe, Frieden und Gesundheit immer nur dann etwas wert sind, wenn Sie verloren gehen.

Wir kennen das aus kranken Beziehungen, wo die Aufmerksamkeit sich erst dann wieder der Partnerin/dem Partner zuwendet, wenn es Stress in der Beziehung gibt. Genau wie bei kriegerischen Auseinandersetzungen, die letztlich nichts anderes sind, als Beziehungsstreits auf höherer oder komplexerer Ebene. Am Ende geht es immer um unerfüllte oder sogar verletzte Gefühle und Bedürfnisse. Marshall Rosenberg erklärt dies eindrucksvoll mit seinem Konzept der „gewaltfreien Kommunikation“.

Aus meiner Auseinandersetzung mit verschiedenen Schriften und Studien zu der Frage, wodurch die Gesundheit am stärksten bedroht wird, was uns krank macht4die Gene machen uns nicht krank, sondern ergeben gewisse physiologische Voraussetzungen und auch diese scheinen nach neuesten Erkenntnissen „lernfähig“, lässt sich zusammenfassend sagen:

  • (negativer) Stress, der sich aus zwischenmenschlichen Beziehungen ergibt5dabei kann auch jede Form der Angst (Existenz, Bindung, etc.) subsumiert werden, denn auch sie entsteht letztlich aus einem Defizit in den sozialen Beziehungen.

Was lässt uns gesund bleiben:

  • Liebe und die sich daraus ergebenden gesunden sozialen Beziehungen.

Somit bedeutet die provokante These, würden wir uns alle lieben (was nicht zwingend bedeutet, dass wir uns auch alle mögen müssen), so wären wir deutlich gesunder, zufriedener und glücklicher und das würde dazu beitragen, global gesehen Billiarden im Krankensystem, im Pflegesystem, im Verteidigungssystem (Militär, Waffen, etc.), im Justizsystem, im Exekutivsystem (Polizei, etc.) und bei Sicherheitssystemen einzusparen. Statt dessen könnte dieses Geld in eine „Globale Republik“ investiert werden, die einen globalen Interessenausgleich (z.B. innerhalb einer basisdemokratisch gewählten UNO-Vollversammlung) und globale soziale Mindeststandards (z.B. ein globales bedingungsloses Grundeinkommen) im Gegengewicht zur globalisierten Industrie, der „Global Economy“, sicherstellt. Dies würde einer zweiten Welle der Globalisierung, die Globalisierung der politischen Entscheidungsstrukturen, gleich kommen.

Das wäre der Kern einer Healthy Society, einer gesunden Gesellschaft, eingebettet in eine gesunde Ökonomie. Eine solche Gesellschaft und Ökonomie würde das kreative Potential in seiner schier unerschöpflichen Vielfalt jeder Einzelnen/jedes Einzelnen (Creative Economy) und die sich daraus ergebenden sozialen Beziehungen in den Mittelpunkt stellen6Was einer anderen Qualität gleich kommt, als der bekannte Satz: „Der Mensch steht im Mittelpunkt und ist nicht Mittel, Punkt. Denn „Der Mensch“ alleine hat noch keine sozialen Beziehungen.“. Eine solche Gesellschaft würde auf einer Ökonomie aufbauen, in der eine Liebesbeziehung und der gegenseitige Respekt7Nach Michael J. Sandel sind das die zwei wesentlichen Gefühle im zwischenmenschlichen Umgang, die sich nicht kaufen lassen. den höchsten Nutzen für uns Menschen haben, den höchsten Wert. Sie sind nicht käuflich und somit monetär nicht abbildbar. Der Gewinn und auch Verlust eines geliebten Menschen ist durch nichts ersetzbar und die Liebe bleibt eine Art „Wunder der Natur“, die sich im Unterschied zur Verliebtheit nicht kognitionswissenschaftlich nachweisen lässt.

Die Folge von befriedigenden sozialen Beziehungen ist ein gesundes Leben. Die Basis von Gesundheit sind tiefgehende soziale Beziehungen, die im besten Fall auf Liebe aufbauen.

Die Bedürftigkeit auszudrücken ist die Basis für gute soziale Beziehungen. Glückseligkeit entsteht aus dem Mut heraus, Schwäche zu zeigen. Stark ist diejenige/derjenige, die/der den Mut hat, Wünsche und Bedürfnisse8 ohne sie einzufordern, das ist die Kunst im liebevollen Umgang im Sinne einer bedingungslosen Liebe miteinander ehrlich auszudrücken.

Das ist das Paradoxon von Glückseligkeit und Gesundheit: Es entsteht eher aus der (vermeintlichen) Schwäche9im Kontext von autoritären, zumeist patriarchalen oder linear, mechanistisch gedachten Konzepten der Rationalität, des Verstandes, der Optimierung von Produktivität und Quantität, Planbarkeit, Effizienz oder Effektivität denn aus der Stärke. Es ist eine Folge der Fähigkeit zum Ausdruck von tiefgehenden Gefühlen und ehrlichen Bedürfnissen zum einen und empathischen Aufnehmen derselben zum anderen. Keine sozialen Beziehungen (Einsamkeit) oder konfliktreiche soziale Beziehungen (Streit) sind die wesentlichen Stressoren, die uns Menschen krank machen. Die Liebe ist es, die uns gesund und vital haltet10und nicht das Duschgel, das bestenfalls als Placebo wirkt und auch nur dann, wenn jemand ganz fest daran glaubt, also der Geist den Körper lenkt.

Literatur

  • Christian Schubert: Was uns krank macht, was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin. Das Zusammenspie von Körper, Geist und Seele besser verstehen, korrektur verlag 2020, erstmalige Ausgabe 2016.
  • Alfred Adler: Der Sinn des Lebens, in: Gesammelte Werke, Anaconda Verlag.
  • Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, dtv 2019, erstmalige Ausgabe 1979.
  • Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, dtv 2019, erstmalige Ausgabe 1956.
  • Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens, Junfermann Verlag 2016, erstmalig Ausgabe 2001.
  • Michael J. Sandel: What Money Can’t Buy, Farrar, Straus and Giroux. Kindle Edition.